Bischof Jesus Juarez Parraga 6Zuletzt im Jahre 2007 besuchte ein Erzbischof aus Bolivien die Willi-Graf-Schulen. Diesmal geschah es durch den Kontakt zur Diözesanstelle Weltkirche und die Organisation von Herrn Ludwig Kuhn, dass Erzbischof Jésus Juárez Párraga aus Sucre in Bolivien am Freitag, dem 10. Juni 2016 zu Besuch war. Ziel seines Aufenthaltes war es, mit Schülerinnen und Schülern und dem Kollegium ins Gespräch zu kommen und auch über die Partnerschule San Juanillo in Sucre zu berichten.

Ein straffes Programm erwartete den weitgereisten 72jährigen Kirchenmann, der sich der deutschen Sprache als mächtig erwies – hatte er doch vor vielen Jahren in München Theologie und Sozialpädagogik studiert. So fiel es ihm auch nicht schwer den richtigen Ton, gewürzt durch eine Prise Humor, zu treffen. Gerne erzählte er den Schülern und Lehrern die Anekdote, wie er sich damals traute in Deutschland bei einem Spaziergang die erste deutsche Familie anzusprechen und ein freundliches „Guten Tag“ den Gesprächspartnern zu entlocken. Als er dann ein kleines Mädchen nach dem Namen fragte und dieses dann prompt auch seinen Vornamen wissen wollte, lief es erschrocken zu seiner Mutter zurück und rief: „Mama, ich habe Jesus getroffen..!“

In diesem Stil stellte sich der Erzbischof auch den Fragen der Schülerinnen und Schülern der Spanisch-Lerngruppe der Klassenstufe 10 des Gymnasiums. Dabei interessierten sich die Schüler für den Erzbischof als Person, fragten diesen zum Beispiel nach seinem Studienaufenthalt in München oder seinen Sportvorlieben. Ebenfalls von großem Interesse war die Frage nach Berufung, Glauben sowie den religiösen Bräuchen in Bolivien.

Der Bischof interessierte sich beim weiteren Gang durch die Schule für die Streicher- und Bläser der Klassenstufe 6, die ihm eine Kostprobe ihres Könnens boten.

Herr Juárez begeisterte die Schüler nicht nur durch seine offene und freundliche Art, die sich auch beim spontanen Besuch der Klasse 5a zeigte, als er noch einmal in die Lehrerrolle trat, die er zu Beginn seiner beruflichen Karriere innehatte. Schließlich informierte er sich über die Fair-Trade-Aktionen der Klasse 8r3. Letztere inspirierten ihn auch von seinem Heimatland zu erzählen. Bolivien sei das „Herz Lateinamerikas“, die Wohnregion der Menschen in den drei Klimazonen des Landes „färbe sehr auf deren Charakter“ ab. Das Thema Bildung war dem Bischof besonders wichtig – schien er doch genau zu wissen mit wem er da sprach: Die eigene Meinung und Kritikfähigkeit zu bilden, sei Hauptaufgabe der Schule.

Letztendlich sprach er den Schülern und Lehrern Dank aus für ihr Engagement für die Partnerschule San Juanillo, die, obwohl über 2.000 Schüler dort unterrichtet werden, räumlich viel kleiner sei als die Willi-Graf-Schulen mit 1.200 Schülern. Auf die abschließende Frage einer Schülerin der 8r3, ob denn absehbar sei, dass Bolivien irgendwann keine Hilfe mehr benötige, erwiderte er, dass das leider ein Wunschdenken bleibe. Bolivien habe zwar Rohstoffe, die aber allmählich zur Neige gehen. Die Menschen lebten doch immer noch in großer Armut.